Gesunder Schlaf – wenn Schäfchenzählen nicht mehr hilft

Gastbeitrag von Mag. Maria Prinkel – Trainerin für Biofeedback, Neurofeedback und Entspannung   

„Du verschläfst ja noch dein ganzes Leben!“ In unserer heutigen Twentyfourseven-Gesellschaft, in der man ständig erreichbar sein muss, scheint wenig Platz für Schlaf.

Doch wie ungemein wichtig gesunder Schlaf für uns ist, wird nicht nur durch zahlreiche Studien belegt, sondern jeder, der selbst schon einmal eine Zeit lang nicht gut schlafen konnte, kennt die negativen Folgen.

 „Ich kann schon wieder nicht schlafen“ – Sie sind nicht alleine!

Viele sind von Schlafstörungen betroffen: in Österreich schon jeder Vierte. Die ICSD-2 (International Classification of Sleep Disorders) unterscheidet mittlerweile 80 (!) Arten von Schlafstörungen. Eine genaue Abgrenzung zwischen den Arten von Schlafstörungen ist schwierig, hier einige Beispiele:

Insomnie bezeichnet Ein-und Durchschlafstörungen, bei denen der Schlaf als ungenügend erlebt wird. Man fühlt sich nicht erholt, ist reizbar oder erschöpft.

Bei der Hypersomnie (umgangssprachlich „Schlafsucht“) tritt tagsüber exzessive Müdigkeit oder sogar phasenweises Einschlafen auf.

Zu den so genannten Parasomnien zählen unter anderen Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen), nächtliche Wadenkrämpfe, Angstträume oder auch das Schlafwandeln.

Was aber haben alle Arten von Schlafstörungen gemein? Sie wirken sich negativ auf unsere soziale oder berufliche Leistungsfähigkeit aus. Es kommt zu Unaufmerksamkeit, die Wahrscheinlichkeit für Fehler häuft sich, das Unfallrisiko steigt.

Warum ist Schlaf so wichtig?

Eine gut erforschte Schlaf-Funktion ist die sogenannte „Konsolidierung“ von Erlerntem und Gedächtnisinhalten. Es wurde nachgewiesen, dass Lernaufgaben besser im Gedächtnis behalten werden, wenn deren Darbietung vor einer Schlafphase erfolgt.

Die Bedeutung des Schlafes für ein funktionstüchtiges Immunsystem wurde in Experimenten mittels Schlafentzug untersucht. Schlafentzug führte zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte sowie zu einer reduzierten Impfantwort. Extremer Schlafmangel bewirkte im Tierexperiment sogar einen Zusammenbruch des Immunsystems mit Todesfolge.

Die „Ontogene Theorie“ beschreibt, wie wichtig die REM-Schlafphase („rapid eye movement“) schon bereits in den ersten Lebensmonaten ist. Nach dieser Annahme spielt der REM-Schlaf eine wichtige Rolle bei der Ausdifferenzierung des Gehirns bei Neugeborenen. Umgekehrt könne ein Mangel die Kleinkindentwicklung beeinträchtigen. Mögliche Folgen wären Verhaltensstörungen, eine reduzierte Gehirnmasse, permanente Schlafprobleme etc.

Wohl bekanntere Annahmen in diesem Zusammenhang sind, dass Schlaf eine Erholungsfunktion hat und während des Schlafens Energie gespart wird. Für Erstere spricht beispielsweise die Zunahme des Wachstumshormonspiegels nach dem Einschlafen, für Letztere, die Tatsache, dass sich der Energieverbrauch während des Schlafens um etwa 10% reduziert (Maurer et al. 2009).

Guter Schlaf ist also von großer Bedeutung, daher ist es in diesem Zusammenhang wichtig, auch passende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schlafhygiene oder „was kann ich tun um gute Schlaf-Bedingungen zu schaffen“

Hygiene kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „der Gesundheit zuträgliche Kunst“.

  • In Zusammenhang mit Schlaf werden dabei bestimmte Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen genutzt, um den Schlaf positiv zu beeinflussen (s. Pfetzing, 2007, S. 1090ff):
  • Ihr Schlafzimmer – soll ein Raum zum Wohlfühlen sein: angenehme Farben, Ordnung, ein Bett mit angenehmer Matratze und einer Decke – angepasst an die Jahreszeit.
  • Verbannen Sie alles, das Ihren Schlaf stören könnte: Fernseher, PC, Radio, Aktenordner etc.
  • Wählen Sie möglichst einen Raum ohne Störungen von außen, wie Lärm oder Licht. Wenn nicht vermeidbar, nutzen Sie gute Ohrstöpsel.
  • Die Raumtemperatur sollte zwischen 14 und 17°C liegen, wie es für Sie angenehm ist, aber nicht zu warm. Lüften Sie vor dem Zubettgehen ausreichend.
  • Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von Alkohol, Kaffee, Tee, Nikotin oder anderen anregenden Mittel.
  • Nehmen Sie die letzte Mahlzeit möglichst 4 Stunden vor dem Schlafengehen ein.
  • Tagsüber körperlich aktiv sein, aber nicht in den letzten 4 Stunden vor dem Schlafengehen.
  • Eignen Sie sich Entspannungstechniken an. Auch am Tag können Sie sich damit zwischendurch entspannen, dies kommt auch Ihrem Schlaf zugute.

Welche Entspannungstechnik am besten für Sie passt können wir gerne gemeinsam herausfinden! Eine interessante Methode, mit der die Entspannung sogar sichtbar gemacht werden kann, ist die Untersuchung mittels Biofeedback. Dabei werden körperliche Prozesse, wie Atmung, Puls, Hautleitwert etc. auf einem Bildschirm sichtbar gemacht und die KlientIn lernt diese Parameter gezielt zu beeinflussen. Mehr zu diesem Thema finden Sie unter www.maria-prinkel.at

Anmerkung: Die angeführten Tipps ersetzen nicht den Besuch einer PsychologIn oder ÄrztIn im Anlassfall und sind immer für den Einzelfall anzupassen. Wenn Sie unter anhaltenden Schlafstörungen leiden, erkundigen Sie sich nach einer professionellen, umfassenden Schlaftherapie.

 

Weitere Verweise:

Arbeitspsychologische Beratung unter: http://www.psychologie-lammert.com/Leistungen/Arbeitspsychologie

Weitere Beiträge: http://www.psychologie-lammert.com/Neues-aus-der-Arbeitswelt/

Mag. Maria Prinkel – Trainerin für Biofeedback, Neurofeedback und Entspannung: www.maria-prinkel.at   

 

Literatur zum Beitrag:

American Academy of Sleep Medicine (2005). International classification of sleep disorders. Diagnostic and coding manual 2nd edn. (ICSD-2). Westchester, Illinois.

Maurer, J. T., Weeß, H.-G. & Schredl, M. Physiologische Grundlagen des normalen und gestörten Schlafes (2009). In Stuck, B. A., Maurer J. T., Schredl, M. & Weeß, H.-G. Praxis der Schlafmedizin – Schlafstörungen bei Erwachsenen und Kindern. Springer.

Pfetzing, A. Schlafhygiene, S. 1090ff (2007). In Peter, H., Penzel, T.& Peter, J.H. (Hrsg.), Enzyklopädie der Schlafmedizin.  Berlin, Heidelberg: Springer.

Der Einflussfaktor von Umgebungsbedingungen auf die psychische Gesundheit

Evaluierung psychischer Belastungen aus den Umgebungsbedingungen

Welchen Stellenwert hat die Umgebung eines Arbeitsplatzes auf die psychische Gesundheit?

Der Einfluss der Umgebungsbedingungen auf Psyche und Leistungsfähigkeit eines arbeitenden Menschen wird häufig unterschätzt. Dieser Beitrag bietet daher einen kurzen wissenschaftlichen Einblick und erklärt die Wirkung anhand eines Fallbeispiels aus meiner Praxis.

Aber was sind konkret solche Umgebungsbedingungen? Darunter werden verschiedene physikalische Faktoren beschrieben, die auf den arbeitenden Menschen am Arbeitsplatz wirken: Schall, Temperatur, Beleuchtung, Arbeitsausstattung, Klima, Strahlungen, Verunreinigungen usw.

Sie können die psychische Gesundheit eines Arbeitnehmers einerseits fördern: ausreichende Beleuchtung, ergonomische Arbeitsausstattung und angemessene klimatische Verhältnisse beispielsweise wirken sogar unterstützend. Einwirkungen allerdings wie Lärm, Zugluft, Hitze, Vibrationen, Schwingungen beeinträchtigen den Menschen nicht nur körperlich, sondern wirken auch psychisch negativ.

Ich möchte Ihnen ein Fallbespiel aus meiner Praxis vorstellen:

In einem Unternehmen der Industriebranche mit über 400 Mitarbeiter/innen spielt die Arbeitsumgebung eine besondere Rolle.

Direkt in der Produktion, dem Herzstück des Unternehmens, sind beeinträchtigende Merkmale vor allem aus klimatischen und akustischen Belastungen vorhanden: Temperaturen weit über 30°C sowie der Geräuschpegel der teilautomatisierten Maschinen über 85 dB wirken auf die Mitarbeiter/innen permanent.

Die zentrale Verwaltung ist vor allem mit Großraumbüros ausgestattet. Hier gibt es akustische Belastungen, im Wesentlichen aus sozialen Lärmquellen (Gespräche von Kollegen, wartende Kunden) und technischen Signalgeräuschen (Telefonläuten, Signale bei Kundenanfragen).

Die Forschung weist nach,  dass ungünstige Bedingungen wie Lärm und Hitze zu psychischen Beeinträchtigungen führen: verminderte Konzentrationsfähigkeit, Verlangsamung der Denkprozesse, Schwierigkeiten in der Urteilsfindung sowie erhöhte Anspannung/Nervosität (Liebl & Kittel, 2016; BAuA, 2017). Dabei ist interessant, dass solche Bedingungen die Fehler- und besonders die Unfallhäufigkeit vielfach erhöhen (AUVA, 2017). Gerade in verarbeitendem Gewerbe, Industrie, Baugewerbe ist das besonders gefährlich. Vegetative Reaktionen wie ansteigender Blutdruck, Ausstoß von Stresshormonen folgen und können langfristig zu Erkrankungen führen (WHO, 2010).

Auf Basis der arbeits- und organisationspsychologischen Forschung erfordert eine gute Arbeitsumgebung daher Kriterien, welche die kognitiven und psychosozial-motivationalen Prozesse sowie die Gesundheit nicht beeinträchtigen bzw. sogar fördern: Lärmschutz, angemessenes Klima, unterstützende Beleuchtung sowie richtige Farbgebung können in der richtigen Intensität sogar positiv auf die/den Arbeitnehmer/in wirken.  Strahlungen, Vibrationen, Schwingungen, der Kontakt  zu Gefahrstoffen sowie Luftverunreinigungen müssten minimiert werden.

Besonders wichtig: Interdisziplinäre Erkenntnisse aus Technik, Medizin und Psychologie sollen bei der Beurteilung auch das Zusammenwirken und die Wechselwirkung dieser Faktoren unbedingt berücksichtigen. Deshalb ist die Zusammenarbeit aller dieser Experten notwendig.

Im Rahmen der Evaluierung psychischer Belastungen sind in dem genannten Unternehmen zur Verbesserung der Temperatur- und Lärmverhältnisse konkrete Maßnahmen empfohlen worden.  Einige dieser Maßnahmen sind bereits gut umgesetzt worden:

  • Mit Zusammenarbeit der Sicherheitsfachkraft und dem Produktionsleiter ist bereichsspezifisch eine Klimatisierung in der Umsetzung.
  • Adaptierungen in den Pausenzeiten sollen die Erholungsphasen verbessern.
  • Im Service-Bereich (Großraum) sind limitierte Ansprechzeiten von 2 Std./Woche eingeführt. In dieser Zeit werden konzentrierte Tätigkeiten ausgeführt. Der Service-Chat wird in dieser Zeit auf eine andere Abteilung umgeschalten. Somit können die Mitarbeiter/innen in Ruhe ihre Aufgaben abarbeiten.
  • Ein Workshop für die Belegschaft „Gemeinsam gegen den Lärm“ hatte das Ziel gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme zu fördern.

 

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Was Zitronen auf Capri und hervorragende Arbeitsbedingungen gemeinsam haben können

Arbeitspsychologin und Organisationsberaterin Anna Lammert über ideale Arbeitsbedingungen

Die schönen Inseln im Golf von Neapel sind aufgrund ihrer Lage, des vulkanischen Ursprungs und den mediterranen Klimas die idealen Standorte für vielfältige Blütenpracht. Ischia beispielsweise, die auch die „grüne Insel“ genannt wird oder auch das mondäne Capri bieten 250 Sonnentage im Jahr und locken dadurch nicht nur sonnenhungrige Touristen an. Auch lassen diese optimalen Bedingungen die dortigen Zitronen besonders groß, gelb und aromatisch werden. Die Winter sind mild und regnerisch, das Lattari-Gebirge an der Amalfiküste schützt vor kaltem Wind und sichert damit die ideale Ernte. Das alles ergibt die perfekte Ausgangslage für eine perfekte Zitrone.

Fasziniert von dieser Pracht  kam mir die Überlegung, wie es sich eigentlich mit dem Menschen verhält? Gibt es solche perfekten Bedingungen auch für uns? Privat vielleicht, diese aber in der Arbeit zu finden ist sicher ein Prozess, der viele wohlwollende Faktoren nötig hat. Es gibt sie aber, die Umstände die ein gesundes und effektives Arbeiten begünstigen. Aus meiner mehrjährigen Erfahrung in der Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, verrate ich, welche Faktoren besonders wichtig sind.

Was wir immer wieder vergessen: Nicht die Arbeit an sich macht uns krank, sondern in der Regel die Umstände und die Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten. Psychische Belastungen resultieren zum großen Teil aus unzureichender Klarheit über die konkreten Ziele und fehlende Perspektiven im Unternehmen. Wenn das Management sich nicht darüber einig ist, wohin das Schiff steuert, verursacht dies viele Unsicherheiten in der Belegschaft. Eine klare Linie können auch die Mitarbeiter dann nicht entwickeln. Konsequenz dessen ist dann häufig Mehrarbeit und zusätzliche Nacharbeit durch fehlende organisatorische Strukturen, unklare Verantwortlichkeiten. Diese haben dann negative Auswirkungen auf die Kommunikation und auf das soziale Klima . Klare Rahmenbedingungen fördern die Entscheidungskraft und Selbstverantwortung der Mitarbeiter. Machen Sie es sich selber nicht so schwierig – Mikromanagement zerrt unnötig an den Führungskräften und frustriert die Mitarbeiter zunehmend. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Vertrauen ans Management und Schutzerleben durch das Management: So wie das Gebirge an der Amalfiküste, stehen die Führungskräfte schützend vor dem sprichwörtlichen kalten Gegenwind und negativen Einflüssen. Die Mitarbeiter können sich auf ihre Kernarbeit und Prozesse konzentrieren und entwickeln Vertrauen zur Führung.  Wer den Beschäftigten keinen Raum für eigene Entscheidungen lässt, züchtet sich langfristig ein gehemmtes Team heran. Nie kann sich so das ganze Team-Potenzial entfalten und Frustration entsteht.

Die äußerst gute Nachricht ist doch, dass alle diese Faktoren steuerbar und beeinflussbar sind.  Durch professionelle Arbeitsplatzanalysen, wie z.B. die Evaluierung psychischer Belastungen können solche Handlungsbedarfe entdeckt und gemeinsam in Abstimmung mit dem Unternehmen konkrete Lösungen entwickelt werden.

 

Weitere Verweise:

Arbeitspsychologische Beratung unter: http://www.psychologie-lammert.com/Leistungen/Arbeitspsychologie/

Weitere Beiträge: http://www.psychologie-lammert.com/Neues-aus-der-Arbeitswelt/

Alkohol am Arbeitsplatz

Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen zum Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen sollten

Die gesetzlichen Grundlagen im Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz sind nicht ganz einfach. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass ein generelles Alkoholverbot seit 1994 nicht mehr existiert. Es war zwar der Genuss alkoholhaltiger Getränke während der Arbeitszeit generell verboten, was aber im Rahmen der europarechtlichen Regelungen des Arbeitnehmerschutzrechtes wieder aufgehoben wurde (vgl. W|FO, 2016).

Aber Vorsicht, prinzipiell können Betriebe ein allgemeines Verbot aussprechen. Das ist dann aber durch dienstliche Anordnungen, Einzelverträge oder Betriebsvereinbaren gesondert geregelt. Ich empfehle daher, um kein Risiko einzugehen: Erkundigen Sie sich im Einzelfall beim Betriebsrat, der Sicherheitsvertrauensperson oder Ihrer Führungskraft.

Was dürfen die Arbeitnehmer/innen und wo müssen Sie aufpassen? Arbeitnehmer/innen sind generell verpflichtet, Handlungen zu unterlassen, die sie selbst und/oder andere in Gefahr bringen (ASchG §15). So dürfen sie sich nicht durch Alkohol oder andere Substanzen (z.B. Arzneimittel) in einen Zustand versetzen, im dem sie sich oder andere Personen gefährden.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber? Auch der Arbeitgeber ist verpflichtet die Gefährdung von den Arbeitnehmer/innen fernzuhalten. Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht seinen Mitarbeiter/innen gegenüber. Er muss für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sorgen (ASchG §3) und das betrifft natürlich auch den Konsum von Alkohol.

Was passiert, wenn es zu alkoholbedingten Arbeitsausfällen kommt? In diesem Zusammenhang gibt es viele Unsicherheiten. Kommt es zu Ausfällen oder Schäden stellt sich schnell die Frage nach Entgeltfortzahlungen, Schadenersatzforderungen oder gar Entlassungen. Hier ist im Einzelfall wichtig zu klären: Handelt es sich um 1. eine „freiwillig herbeigeführte Alkoholisierung“ oder 2. eine Erkrankung, wie die bei Alkoholismus (vgl. Reisner, 2015)? Im ersten Fall können arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie Schadenersatzforderungen oder eine Kündigung, folgen. So kann es z.B. passieren, dass in einem alkoholisierten Zustand eine Maschine defekt wird. Beim zweiten Fall, dem Vorliegen einer Erkrankung ist davon auszugehen, dass eine nicht beherrschbare Abhängigkeit mit Krankheitswert vorliegt (vgl. W|FO, 2016).  Aber auch hier können Entlassungen gerechtfertigt sein, nämlich dann, wenn Arbeitnehmer/innen in ihrem ursprünglichen Tätigkeitsfeld nicht mehr sinnvoll einsetzbar sind (z.B. Führerscheinentzug bei berufsbedingten Fahrzeuglenkern) oder auch dann, wenn kein Behandlungswille vorliegt. In diesen Fällen können Entlassungen nach der Rechtsprechung des OGH auch bei Alkoholkranken gerechtfertigt sein (Bundeskanzleramt, 1994).

Arbeitnehmer/innen können sich bei folgenden Organisationen näher informieren:

Arbeiterkammer, Betriebsrat im Unternehmen, Arbeitspsychologen und Arbeitsmediziner im Betrieb, Anonyme Suchthilfen

Arbeitspsychologische Beratung unter: http://www.psychologie-lammert.com/Leistungen/Arbeitspsychologie/

Weitere Beiträge: http://www.psychologie-lammert.com/Neues-aus-der-Arbeitswelt/

 

Arbeitsplätze alternsgerecht gestalten

Alternsgerechte Arbeitsgestaltung

Alternsgerecht: das zusätzliche „n“ ist kein Rechtschreibfehler sondern soll den Unterschied zu „Altersgerechter Arbeitsgestaltung“ klarstellen. Alternsgerechte Arbeitsgestaltung hat einen präventiven Charakter und setzt den Focus darauf, die Arbeitsfähigkeit für das gesamte Arbeitsleben zu erhalten. Nicht zuletzt aufgrund des Älterwerdens der Menschen ist dies ein wichtiges Thema in Betrieben. Arbeitsbedingungen, die für alle Altersklassen zugeschnitten sind, fördern die Leistungsfähigkeit und den Output des Unternehmens. Unternehmen sind gut bedient, sich auf diese Veränderung rechtzeitig einzustellen und die Arbeitsbedingungen sowohl für Jüngere und Ältere anzupassen.

Fest steht, dass sowohl die Arbeits- als auch die Leistungsfähigkeit über die Jahre eine Veränderung erfährt. Diese müssen aber nicht zwangsläufig als negativ verstanden werden. Ganz im Gegenteil:

Vor allem in sozial-kommunikativen Bereichen nehmen die Fähigkeiten durch ansteigende Erfahrung zu.  Durch diese Erfahrung steigt die  Selbstsicherheit,  was die älteren Beschäftigten besonders in abstrakter Lösungs- und Urteilsfindung stärkt. Das heißt ältere Mitarbeiter sind besonders gut in der Lösung von komplexeren Problemstellungen und sicherer in Entscheidungen.

Allerdings stellt sich eine Abnahme von physischen Fähigkeiten ein: Hier ist ein besonderer Fokus auf Schnelligkeit und die Reaktionsfähigkeit zu beachten, diese nehmen mit dem Alter eher ab. Auch die Muskelkraft, Knochenbau, die Seh- sowie die Hörkraft nimmt mit steigendem Alter ab. Organisatorische Arbeitsabläufe sowie die Frequenz der Aufträge ist deshalb in der Arbeitsgestaltung zu berücksichtigen.

Alternsgerechte Arbeitsplätze können so gestaltet werden:

Ein systematischer Belastungswechsel sorgt für eine Balance zwischen verschiedenen Muskelgruppen und eine Vermeidung von einseitiger Haltung. Dabei ist ein stetiger Einsatz von vielfältigen Bewegungen ratsam, um unterschiedliche Muskeln und Sinne möglichst vielseitig zu beanspruchen.

Eine Anpassung der regenerativen Arbeitsunterbrechungen ist hilfreich, um durch richtige Erholung die Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu erhalten. Sogenannte Mikropausen verbessern die Arbeitsfähigkeit signifikant. Richtige Pausengestaltung ist in dem Zusammenhang besonders relevant, weil die Regenerationszeiten mit dem Alter zunehmen. Ältere Mitarbeiter benötigen mehr Zeit um sich zu erholen als ihre jüngeren Kollegen.

Kontinuierliche Fortbildung und die Schaffung von lernfördernden Arbeitsbedingungen ist wichtig und können dadurch geschaffen werden, dass der Betrieb Fort- und Weiterbildung unterstützt. Das Tempo des Lernens kann ruhig den Beschäftigten überlassen werden. Lockere Wiederholung und druckfreie Lernbedingungen fördern die Bereitschaft Neues aufzunehmen und ermutigen auch Neues zu ergründen.

Eine bessere Arbeitsumgebung kann oft durch einfache, kostengünstige Maßnahmen wie  hellere Lichtverhältnisse, weniger Ablenkungsgeräusche, bessere Regenerationsmöglichkeiten gut gestaltet werden.

Alternsgerechte Teams, das heißt Jung und Alt gemixt,  fördern die Vielfalt und die Lernbedingungen im Betrieb. Altersbedingte Stärken können dabei optimal genutzt, Schwächen von Jung und Alt bestmöglich kompensiert werden. Dadurch ist ein perfekter  Austausch zwischen den Generationen gegeben und dies fördert auch das Von-einander-Lernen.

 

Arbeitspsychologische Beratung unter: http://www.psychologie-lammert.com/Leistungen/Arbeitspsychologie/

Weitere Beiträge: http://www.psychologie-lammert.com/Neues-aus-der-Arbeitswelt/

Durch richtige Erholung die Leistungsfähigkeit steigern?

Durch richtige Erholung die Leistungsfähigkeit steigern? Regeneration ist die Hauptvoraussetzung für robuste Widerstandsfähigkeit und Leistungsfähigkeit. In effektiven Ruhephasen holt sich der Körper und das Gehirn bereits nach nur vier Minuten wieder Energie, um mit mehr Power wieder durchzustarten. „Durcharbeiten“ verlangsamt nur die Denkprozesse. Mittlerweile ist es ebenfalls belegt, dass mehrere solcher kurzen Pausen einen stärkeren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben als eine längere.

Arbeitspsychologische Beratung unter: http://www.psychologie-lammert.com/Leistungen/Arbeitspsychologie/

Weitere Beiträge: http://www.psychologie-lammert.com/Neues-aus-der-Arbeitswelt/